Joachim Raab

1948
 
geboren in Neu-Isenburg
 
Anfang 1960er Jahre
 
Buchbinderlehre
 
1970/1971 und
1971-1975
 
Studium an der Hochschule für Gestaltung in Offenbach am Main und der Frankfurter Städelschule
 
1975 Erste Ausstellung Kunstraum Laubestrasse in Frankfurt am Main

Interview mit Joachim Raab

1.) Sie sind gebürtiger Neu-Isenburger und haben in Offenbach und Frankfurt die Hochschule absolviert. Wie sieht Ihre heutige Verbindung und Verbundenheit zu dieser Region aus?
Raab: Sobald das Wetter wärmer wird, fahre ich mit dem Rad jeden Vormittag so meine 50 km durch die Landschaft südlich und östlich von Neu-Isenburg, manchmal bis Darmstadt, Dieburg oder Seligenstadt und zurück. Ich kenne da mittlerweile jeden Wald- und Feldweg. Schon als kleines Kind wanderte ich durch diese heimatlichen Wälder südlich der Stadt und half meinem Großvater beim Holz- und Kiefernzapfen sammeln. Ich durchquere sie noch heute auf den gleichen alten Wegen Richtung Champagnerwiesen, Sprendlingen, Dreieichenhain und weiter. Ich fotografiere auf diesen Touren die noch vorhandene, logischerweise kultivierte Natur. Felder, Weiden, Wiesen, Wälder, aber auch alte ramponierte Hütten und Bauten an den Stadträndern, an Waldrändern, inmitten der alles überwuchernden Pflanzenwelt alter Gärten und Brachen. Ab 1. Mai ist meine Zwischenstation vor der Rückkehr ins Atelier das Waldschwimmbad in Neu-Isenburg. Dieses Bad kenne ich seit frühester Jugend, hier badeten schon meine Eltern und Großeltern. Wenn ich dort auf der Terrasse sitze und einen Kaffee trinke, habe ich tatsächlich das Gefühl von Heimat, auch von Tradtion und womöglich hat es auch etwas mit dem heute völlg überstrapazierten Begriff von Identität zu.

2.) Was möchten Sie in Ihrer Kunst vermitteln?
Raab: Das frage ich mich immer wieder, was lässt sich in dieser heute zu ungeheuerlicher Masse angeschwollenen Bilderwelt in und jenseits der Kunst diesbezüglich noch vermitteln. Wie schnell vergehen Eindrücke beim Betrachter, werden von der nächsten Faszination verjagt, die wiederum in Ausstellungen und in den Medien bereitwillig durchgepaukt wird.
Es gibt Untersuchungen eines Prof. Tröndle über das Besucherverhalten in Museen etc., da wurde festgestellt, dass die allermeisten Menschen nur Sekunden vor einem Bild verbringen.
Also scheint es doch wohl so zu sein, dass der beste Ort der Kunstbetrachtung das jeweilige Wohnzimmer und das angekaufte Bild ist. Das bleibt - hoffentlich - über Jahre an seinem Ort und kann immer wieder angeschaut werden.
Da ich kein "one idea artist" bin, ist das was vermittelbar ist bei meiner Arbeit nicht unbedingt erkennbar an Stil und gleichbleibender Formensprache. Ich setze in Malerei und Fotografie meist im weitesten Sinne Natur um, daraus ergeben sich Serien, die früher mit Wald, in dieser Ausstellung mit Meer, in Fotos mit Wasserflächen, deren Spiegelungen und dem Tod (auch Natur) in Gestalt eines in Szene gesetzten Totenkopfes oder übereinander kopiert ein Totenkopf und der eines lebenden Menschen zu tun haben.
In meiner neuesten Serie (Malerei ab 2014) frage ich, wieso es Kunst überhaupt noch, nach der Erfindung der Fotografie, gibt. Schließlich werden seit Gutenberg Bücher ja auch nicht mehr mit der Hand kopiert. Es geht dabei um Strukturen jenseits der Erscheinungen, der Bilder. Aber das ist ein anderes Thema.
Ich kann nur hoffen, das es Betrachter gibt, und ich will keinem vorschreiben, wie er zu schauen hat, die sich auf meine - gesamte - Arbeit einlassen wollen, ungefähr so wie ich mich, auch in der Literatur auf ein Gesamtwerk einlassen muss - um überhaupt und vollständig die Gedanken - und Bildwelt eines anderen Menschen zu erfassen und daraus einen intellektuellen Nutzen zu ziehen.
Seit vielen Jahren verfasse ich zu meiner Weltsicht kurze Texte und Aphorismen, die möglichwerweise zum Gesamtbild hinzu gefügt werden müssten, das überschreitet aber häufig den Rahmen von normalen Ausstellungen.

3.) Gab es richtungsweisende Ereignisse im Laufe Ihrer künstlerischen Laufbahn, an die Sie heute noch oft zurückdenken?
Raab: Mein Erschrecken über die Seßhaftigkeit, die schon immer mit der Kunst verbunden war. Misstrauen gegenüber den akademischen Theoremen, den Hierarchien und Abhängigkeiten. Den Künstlern, die weder Rebellion noch Vatermord riskieren.

4.) In der Serie "Meer", die Sie in der Volksbank Dreieich ausstellen, beschäftigen Sie sich intensiv mit der Natur. Welche Rolle spielen Umwelt und die Natur in Ihrem Leben und in Ihrer Kunst?
Raab: Das von Camus herkommende Begriffspaar - Sonne und Geschichte - beschreibt wohl am ehesten den Spagat in dem ich mich sehe. Natur, Sonne als die Sehnsucht nach einem einfachen Leben und Streben (malen auch) tunlichst frei von dem Wissen über die meist bedrückenden Taten der immer noch - patriarchalischen - Macht und ihren Institutionen in dieser Zeit. Dann aus dem Wissen um die Geschichte des Menschen, heraufkommend ins Jetzt, eine Trauer um den Verlust der natürlichen Umgebungen, deren willkürliche Zerstörung im Namen von Fortschritt und Ökonomie. Und auch dieses Wissen als Zwang, sich immer wieder einzulassen auf die Suche nach den Urgründen des menschlichen Verhängnisses, nach der Vergeblichkeit des Sehnens, nach Glück und Harmonie mit der Natur.
Das Sysiphusdasein des Einzelnen in dieser Welt. Ich habe mich nie als reinen Atelierkünstler gesehen. Ich brauche das Draussen, das Reale.

Zahlen – Daten – Fakten zu Joachim Raab

  • Einzelausstellungen
  • Gruppenausstellungen
  • Sammlungen
1975
 
Kunstraum Laubestrasse Frankfurt am Main
 
1979
 
"Ding" Galerie forme Frankfurt am Main
 
1982
 
Galerie forme, Frankfurt am Main
 
1982
 
Galerie Schoof, Frankfurt am Main
 
1986
 
Malerei, Hartje Galerie, Frankfurt am Main
 
1988
 
Plastiken, Hartje Galerie, Frankfurt am Main
 
1994
 
Raum und Salz, Kemenatensaal Ronneburg
1997
 
Salzzeit und weisse Flecken, Standort
 
1997
 
Salzwanderungen, Kornhäuschen, Aschaffenburg
1997
 
Hospital zum Hl. Geist, Frankfurt am Main
 
1998
 
Salzwelt Standort, Frankfurt am Main
2000
 
Aus der Sockelzeit Kronberger Kulturkreis im Hellhof in Kronberg
 
2001
 
Eine Prise Salz, Kunstraum S.A.L.Z. in Schwäbisch Hall
 
2001
 
Erforschung der Weitschweifigkeit, Standort e.V.
2004
 
Kulturzentrum Kammgarn Vebikus, Schaffhausen in der Schweiz
1976
 
Diagramme und Konzepte, Kunstverein Frankfurt am Main
 
1980
 
Galerie forme Frankfurt am Main
 
1981
 
Tango Frankfurt, Philantropin, Frankfurt am Main
 
1981
 
Tango Frankfurt, Köln-Deutz
 
1981
 
Zeitpunkt, Galerie Schoof in Heidelberg
 
1982 Verdächtige Bilder, Galerie Schoof in Heidelberg
 
1982
 
Lenin - ein Tango - Projekt, Philantropin, Frankfurt am Main
 
1982
 
Artforum der Galerie Loehr, Frankfurt am Main
 
1983
 
"Kunstbesetzung" Galerie Schoof in Frankfurt am Main
1983
 
Neue Kunst in Frankfurt, Kunstverein Frankfurt am Main
 
1984
 
Kunstlandschaften Bundesrepublik, Kunstverein München
 
1984
 
Galerie Meyer - Ellinger Frankfurt am Main
 
1985
 
Frankfurt XPO Galerie Hamburg
 
1986
 
Art Fair, Los Angeles
1986
 
Frankfurt in Bonn Raum 41, Bonn
1986
 
Hartje Galerie, Boston/USA
1987
 
Art Fair Los Angeles mit Hartje Galerie
1988
 
Accrochage Galerie Thieme - Lotz, Darmstadt
1988
 
Kunstmesse Valencia, Spanien mit Hartje Galerie (Frankfurt am Main)
 
1992
 
TANGO 11 Jahre danach, Affentorhäuser, Frankfurt am Main
 
1993
 
Kapitel 3, Karmeliterkloster, Frankfurt am Main
1994
 
Stadt - Bild, Karmeliterkloster, Frankfurt am Main
1998
 
Stone - Salt - Paper, APT Studios, London
1998
 
100. Ausstellung Galerie Witzel, Wiesbaden
1999
 
300 Jahre Neu - Isenburg Künstler im Neuen Stadthaus
1999
 
Four Painters from Frankfurt SE1 Gallery, London
2007
 
"It takes something to make something", Sammlung Rausch im Portikus, Frankfurt am Main
 
2008
 
Perpetuum Mobile APT Studios, London
2010
 
DeriveLab London (included with in the Goldsmith College Project Heterotopia Provocation), London
 
2010
 
DeriveLab 2 Centre for Creative Collaboration University of London 16 Acton St. London
 
2010
 
Ausstellungshalle Schulstraße 1, Frankfurt, Ohne Worte
2011
 
Kunstblock Frankfurt Wald, Hochwald, Holzfällen
2012
 
Aulich - Merkle - Stiftung orth für aktuelle Kunst, Offenbach am Main
 
2014
 
APT Studios, London astrolab A Planetarium of the Imagination
Aulich-Merkle-Stiftung, Offenbach am Main
 
Deutsche Bank AG, Frankfurt am Main
 
Sammlung Degussa, Frankfurt am Main
 
Hoechst AG, Frankfurt am Main
 
Hospital zum Hl. Geist, Frankfurt am Main
 
Stadt Frankfurt am Main
 
Stadt Langen Hessen
 
Stadt Neu-Isenburg
 
Land Hessen
 
Hällisch-Fränkisches Museum, Keckenhof Schwäbisch Hall
 
und private Sammlungen

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Volksbank Dreieich eG
Bahnstr. 11-15
63225 Langen

Telefon: 06103 95-3000
Telefax: 06103 95-3111

 

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